Vorsorge-Lexikon

Stellenwechsel / Pensionskassenwechsel

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Eine grosszügige Pensionskassen-Lösung bietet dreimal so hohe Leistungen wie die gesetzlich vorgeschriebene Minimalvariante. Höhere Leistungen heisst auch höhere Beiträge, welche sich lohnen, da der Arbeitgeber mindestens die Hälfte mitzahlt. Bei einer Rentenbezugsdauer von 25 Jahren (inkl. mitversicherter Witwenrente) schlagen diese Unterschiede ganz schön zu Buche. Wer sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsieht, tut also gut daran, die Pensionskassenlösung des Unternehmens genau unter die Lupe zu nehmen.

Dabei kann man nicht ein einfaches Standardrezept anwenden, sondern muss die individuelle Situation des Versicherten berücksichtigen. Dennoch gibt es wichtige Punkte, die man generell beachten sollte:

Koordinationsabzug
Vom AHV-Lohn wird in den meisten Pensionskassen der sogenannte Koordinationsabzug in der Höhe von CHF 24'675 (Stand 2015) abgezogen. Daraus ergibt sich der Lohnanteil, welcher für die Pensionskassenleistungen massgeblich ist. Viele Unternehmen versichern aber den vollen AHV-Lohn. Der Mehrwert ist insbesondere für tiefe Einkommen oder Teilzeitler beträchtlich. Für Teilzeit-Beschäftigte sind auch Firmen vorteilhaft, bei denen der Koordinationsabzug proportional zum Teilzeitbeschäftigungsgrad erfolgt.

Versicherung höherer Löhne
Gemäss BVG liegt das versicherte Lohnmaximum bei CHF 84'600 (2015) (Plafonierung). Besser Verdienende müssen daher unbedingt darauf achten, dass auch der Lohnteil über CHF 84'600 versichert ist. Sehr oft werden höhere Löhne mittels speziellen Kaderversicherungen abgedeckt. Dabei ist es vorteilhaft, wenn es Überschneidungen bei den Lohnbereichen gibt.

Höhere Altersgutschriften
Das BVG sieht folgende gesetzliche Spargutschriften in Prozent des versicherten Lohnes vor:

Alter Altersgutschrift in % des versicherten Gehaltes

25 - 34

7

35 - 44

10

45 - 54

15

55 – 64/65

18

 

Werden höhere Altersgutschriften gewährt, wirkt sich das unmittelbar in Form von höheren Beiträgen und Renten aus.

Höhere Risikoleistungen
Die Todes- und Invaliditätsleistungen nach BVG sind bescheiden. Für viele reichen diese Leistungen auch zusammen mit der AHV / IV nicht aus, um die erforderlichen 60 % - 70 % des früheren Lohnes abzudecken. Achte daher auf eine gute Risikoversicherung, denn sie ist für höhere Löhne unbedingt notwendig. Sind die Risikoleistungen zu klein, ist es sinnvoll, eine private Todesfall- oder Invaliditätsversicherung abzuschliessen.

Anteil Arbeitgeber
Je höher der Anteil des Arbeitgebers an der Finanzierung der beruflichen Vorsorge ist, desto mehr wird der Arbeitnehmer entlastet. Ein interessanter Nebeneffekt ist, dass auf Arbeitgeberanteilen keine AHV abgerechnet werden muss und somit eine echte Einsparung für das Unternehmen erfolgt.

Die meisten Unternehmen wählen eine 50:50-Finanzierung, vorteilhaftere Lösungen bieten Modelle mit 1/3 Arbeitnehmer- und 2/3 Arbeitgeberanteil.

Einkaufspotential
Von der Ausgestaltung des Beitragsvolumens (Höhe der versicherten Löhne und Höhe der Spargutschriften) der Vergangenheit ist auch abhängig, für welche Summe sich ein Versicherter einkaufen kann. Ein Eintritt in eine grosszügige Pensionskasse heisst folglich auch, dass man mit Einkaufsbeträgen in Zukunft Steuern optimieren kann.

Leistungsprimat
Im Hinblick auf die Pensionierung ist das Leistungsprimat die vorteilhafteste Vorsorgeform. Unabhängig von allen Turbulenzen auf den Finanzmärkten und der zunehmenden Lebenserwartung wird hier eine Rente in Prozent des letzten Lohnes ausbezahlt. Die gesamten Risiken trägt folglich die Pensionskasse und nicht der Versicherte, im Gegensatz zum Beitragsprimat. Die hohen Finanzierungslasten des Leistungsprimats sind denn auch ein Hauptgrund dafür, dass diese Form immer weiter zurückgeht und heute nur noch gut 13.5 % aller Versicherten vom Leistungsprimat profitieren.

Allerdings ist diese Vorsorgeform nicht für alle Versicherten günstig. Für jüngere Versicherte, welche die Pensionskasse wieder verlassen, ist diese Vorsorgeform unattraktiv, weil nicht die gesamten Arbeitgeberbeiträge im Freizügigkeitsfall mitgegeben werden. Die ideale Versichertenkarriere verläuft daher so, dass die ersten 20 Beitragsjahre bis Alter 45 in einer Beitragsprimatskasse versichert sind und man dann mit der hohen Freizügigkeitsleistung in eine Leistungsprimatskasse eintritt. Leistungsprimatskassen lohnen sich ungefähr ab dem Alter 45, ab Alter 55 werden sie sogar extrem vorteilhaft.

Teuerungsausgleich
Angesichts der langen Laufdauer von Renten ist eine reglementarische Zusicherung eines Teuerungsausgleiches, wie dies zum Beispiel staatliche Kassen kennen, finanziell attraktiv. Geht man von der durchschnittlichen Nachkriegsteuerung in der Schweiz von 3 % aus, so liegt der Gegenwert eines vollen Teuerungsausgleichs bei rund einem Drittel des gesamten Kapitalwerts der Rente.

Rentenalter
Ist die Finanzierung einer Pensionskasse auf ein früheres Rentenalter ausgelegt so profitiert der Versicherte davon. Gemäss Pensionskassenstatistik liegt immerhin für über 10 % aller versicherten Männer das reglementarische Rentenalter unter 65. Dies sind meistens staatliche Pensionskassen, welche auch bei früherem Rücktrittsalter die vollen Leistungen erbringen.

Vorzeitige Pensionierung
Wer nicht in den Genuss eines reglementarischen tieferen Rentenalters kommt, kann sich vorzeitig pensionieren lassen. Versicherungstechnische Kürzungen von 8 – 9 % pro Jahr muss man hier allerdings in Kauf nehmen. Jedoch gibt es auch hier viele Pensionskassen, welche vergünstigte Regelungen vorsehen.

Freizügigkeitsleistung
Beim Stellenwechsel muss die Freizügigkeitsleistung in die neue Pensionskasse eingebracht werden. Der Arbeitnehmer hat der bisherigen Pensionskasse die Zahlungsadresse der neuen Pensionskasse mitzuteilen. Wird keine Mitteilung an die Pensionskasse gemacht, wird die Freizügigkeitsleistung frühestens nach sechs Monaten und spätestens nach zwei Jahren an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG überwiesen.

Höherer Umwandlungssatz
Je nach Pensionskasse sind die Umwandlungssätze unterschiedlich hoch: Im obligatorischen Teil des BVGs gelten die gesetzlichen Umwandlungssätze, im überobligatorischen Teil sind die Pensionskassen jedoch frei. Gute Pensionskassen bieten hier Umwandlungssätze bis zu 6.5 % an, schlechte solche von 5.8 % für Männer, resp. 5.4 % für Frauen. Der Unterschied ist mehr als 10 % Rentendifferenz!

Vorsicht Gesundheitsvorbehalte
Neue Pensionskasse heisst meist auch Gesundheitsprüfung! Die mit den bisherigen Freizügigkeitsleistungen eingekauften Leistungen dürfen nicht mit einem Vorbehalt belegt werden – aber die Leistungen darüber. Vorher abklären macht Sinn!


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